12.05 2025
Die erste Station
auf dem Weg zur „Familie“.
Am Rheinufer in Rheindürkheim habe ich Kiesel gesammelt.
Das Wasser des Rheins ist klar!
Ich konnte kleine Kiesel und Muschelschalen betrachen,
als ob sie in einer Vitriene beim Juwelier unter Glas liegen.
Hier aber kann ich, wenn etwas gefällt, zugreifen, durch das Glas hindurch.
ich habe zuerst direkt aus dem Rhein einiges gesammelt, auch wenn mein Schuh und Fuß etwas nass wurden. 🙂
Weiter oben habe ich noch eine Sammlung von „Trockenkieseln“ zusammengestellt. Zum krönenden Abschluß habe ich drei Steinchen, die mich irgendwie ansprachen, aus dem Rhein „gerettet“.
Ich gehe noch zum Friedhof, um nachzuschauen, ob noch ein Name dazugekommen ist, den wir kennen.
Nein, es ist mir keiner aufgefallen.
Jetzt keine Verzögerungstaktik,
weiter nach Haßmersheim.
Die Fahrt ist weiterhin locker, keine Staus, keine Raser.

Station 2
Da bin ich nun in Haßmersheim.
Als Gabi die Tür aufmacht,
eine herzliche Umarmung und ein gemütlicher Plausch.
Plums.
Danach geht es zur ersten Hauptperson.
Gabi hat ja den Schlüssel und geht vor.
Sie kündigt mich als „Muttertagsüberraschung“ an.
Als ich vorsichtig um die Ecke schaue …
Bruni kann mein Gesicht nicht zuordnen.
Gabi sagt: „Dein Bruder ist zu Besuch gekommen.“
Bruni: „Ach Werner.“
Gabi sagt: „Das ist Jürgen.“
Da gehen Brunis Augen weiter auf
und ich erkenne ein Lächeln.
„Oh, dass ich dich nochmal sehe,
damit habe ich nicht gerechnet.“
Es wird viel erzählt und gelacht.
Ein paar Mal bin ich noch Werner,
aber Bruni weiß, dass es ein Versprecher ist.
Als Bruni mich zum Abschied umarmt,
küsst sie mich auf den Mund und auf die Wangen.
Wir stehen Stirn an Stirn
und uns laufen beiden die Tränen übers Gesicht.
Plums 2.
Ein Stein ist mir vom Herzen gefallen.
Danke Gott, dass du mir und auch Bruni dieses Wiedersehen geschenkt hast.
Bruni hat mich zu ihrem Geburtstag am 26. … eingeladen.
Dann geht es weiter zu Edith.
Als Gabi klingelt, macht Ulrike auf.
Sie machen gerade den Kühlschrank leer, weil der kaputt gegangen ist und der Inhalt schon müffelt.
Ulrike, auch hier eine herzliche Umarmung, geht vor.
Edith kann mich auch nicht erkennen;
„Dein Bruder ist zu Besuch gekommen!“
Edith: „Ach, Werner (?)“
Ich sage: „Nein, Jürgen.“
Auch bei Edith ist ein Lächeln zu erkennen.
Wir umarmen uns, ich halte sie im Arm,
so wird erzählt und gescherzt.
Edith geht es lange nicht so gut wie Bruni, aber sie kann noch mit dem Rollator durch die Wohnung düsen, selbst mit dem Auto fährt sie noch ab und an, z.B. zur Bruni und dann zusammen zum Essen, zur AWO oder zum Seniorenkreis.
Auch hier wieder
– Plums 3 – fällt mir ein Stein vom Herzen.
Danke Gott, dass du uns diese Erfahrung noch schenkst.
Jeder am heutigen Tag hatte sehr, sehr viel zu erzählen: wie sich die Familienmitglieder entwickelt haben, wer schon nicht mehr dabei ist, was man derzeit macht, was man sich für die Zukunft vorstellt.
Bei so einer großen Familie gibt es auch entsprechend viele Geschichten.
Ich bin froh, daß ich den Kontakt zu meinen Schwestern (und den Familien) wieder aufbauen darf. Auch ist es schön, dass sich die Kinder so um ihre Eltern, meine Schwestern, kümmern.
Bruni, Edith, Gabi und Kai, Monika und (Hans-) Jürgen, Ulrike und ihr Sohn …,
acht Erzähler und ich, hunderte von Erzählpuzzelteilchen, die in der nächsten Zeit zu einem Familienbild zusammengesetzt werden wollen.
Bei den nächsten Besuchen wird bestimmt noch viel Material dazu kommen.

13.05.2025
Heute werde ich Blumen für meine Schwestern (und Gabi) besorgen, nochmal bei ihnen vorbeischauen und mich verabschieden.
Ich nehme mir vor, am 26. … zu Brunis Geburtstag zu kommen.
Janzen sei stark!

Die Rückreise (Station 3).
Jetzt noch Kiesel aus Lampertheim und Bürstadt.
Auch 25 tolle (?) Jahre für uns.
Es ging schon gut los.
Von Sinsheim aus war eine Umleitung eingerichtet.
Eigentlich von dort bis zur Autobahn so ca. 1,5 km,
aber die Umleitung ging über die Dörfer nach Heidelberg.
Über die Dörfer war eine Tortur und dann in Heidelberg – zu!
Aber die Autobahn trotzdem erreicht und weil ich die Strecke doch von früher kannte, gerne über Ladenburg nach Lampertheim, ist ja kaum ein Umweg.
Da steht man auf dem Parkplatz bei seiner Lieblingsfirma, wo der Traumjob mich fast 40 Jahre gefesselt hat (natürlich nicht nur Ladenburg, es gab ja auch die tollen Jahre in Lampertheim und Mannheim), aber es ist nicht mehr das, was es mal war – keine Vibration, die mich berührt – nur kalte Büro und Fabrikgebäude – schade.
Und dann ging es „fahrtechnisch“ nochmal richtig los.
Am Ortsausgang von Ladenburg ist die Straße nach Lampertheim gesperrt – Umleitung über die Dörfer nach Viernheim. Allein durch Heddesheim durch – 45 Minuten ! – und dann Viernheim – 20 Minuten -.
Für die eigentlich zwei Stunden nach Lampertheim nun vier gebraucht 🙁 .
In Lampertheim mal am alten ABB-Werk vorbei – mehr Vibrations als in Ladenburg – vielleicht auch, weil da Mäuselel und ich mal für ein paar Jahre in der gleichen Firma, im gleichen Werk gearbeitet haben.
Tolle Zeit – Super Team – noch echte Teamarbeit – viel Arbeit – schöne Feste – gute Chefs – tolle Kollegen
– ja, auch Kolleginnen –
ich mag das Gendern nicht, jeder weiß doch, das beide Geschlechter gemeint sind – oder drei oder … shitens – oh men. – Zurück zum Thema. *zwinker*
Exkurs:
Ich benutze seit einiger Zeit wieder bei Spin und auch hier vermehrt die Emoji-Form der 1980er bis 2000er Jahre: *zwinker*, *grins*, *tztztz*, *lach*
Wir hatten noch keine Grafik-Emojis in IRC, UseNet, dann AIM. Aber gerade AIM, da kann ich mich noch an viele uhhhh-uhhh-uhhh-Dinge erinnern, damals kam Mäusele auch auf den Chat-Geschmack – joi-joi-joi – abber schee wars – manchmal Erotik pur, aber ohne die heutigen Plattheiten – so man die richtigen Chatpartner hatte – einige haben da auch die Nase gerümpft – aber was juckte das uns … … Naja, wir sind Kinder der 70er – für einiges, was damals „normal“ war, ginge man heute für etliche Jahre in den Knast – die Zeiten ändern sich.
In Bürstadt bin ich an unserem „Waldhaus“ vorbeigefahren, dazu findet ihr auf dieser Site auch noch einige Sphärenwelten – Achtung, ich bin erst im Aufbau – .
Ich sag mal nix dazu.
Dann weiter zur Kiesgrube Lampertheim – nix gefunden.
Dann zum Rheinufer in Lamperheim (ich rechne Lampertheim und Bürstadt immer als eine Heimatsphäre, irgendwie gehören die beiden in unserer Gefühlswelt zusammen.
Auf den Rheinuferwegen habe ich auch einige Kiesel gefunden, nicht so „schön“, wie die aus dem Rhein bei Rheindürkheim (obwohl nur ca. 3 km rheinabwärts), aber dafür so kantig und vielfältig, wie das Leben damals in dieser Heinatsphäre war.
Dann über die Rheinbrücke nach Worms – schön.
Nicht so schön, für die 1,5 km von der Rheinbrücke bis zur Rheinperle habe ich über zwei Stunden gebraucht. Die Straße war durch mehrere Unfälle mehrmals komplett gesperrt.
Schon spät, aber nicht zu spät.
Ich bin bei unserer Rheinperle angekommen, setze mich direkt an das Rheinufer und esse ein leckeres Schnitzel. Die Rheinperle ist wunderbar auf der B9 zwischen Worms und Oppenheim direkt am Rhein gelegen. In unserer Zeit in Rheindürkheim und auch jetzt bei meiner „Kieselreise“, war das Essen sehr gut – leider wechseln die Betreiber häufig.
Nach dem Essen sollst du 100 Schritte gehen –
oder gleich nach Hause fahren – was ich auch tat.
In der Rückschau sage ich, die „Familien- und Kiesel-Tour“ hat sich gelohnt.
Ich habe meine Familie wiedergefunden und inszwischen alle Kiesel für unsere Grabstätte. Wenn auch meine Asche bei unserer Kirche und bei meinem Mäusele verbuddelt wird, werden die Kiesel unserer Lebensflüsse unter unserer Grabplatte liegen – vielleicht sind auch sie Wellenemittenten …
ich sag schonmal „Hallo!“.

Teil III:
Ganz so stark war der Janzen wohl doch nicht.

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