Diese Geschichten sind meist nur Schnipsel (in meiner Muttersprache: Schnippel) aus dem mächtigen Berg von Tagesereignissen.
In diesem undurchdringlichen Gewusel von Schnipseln, finden sich hier und da (manchmal auch dort) kleine Glücksschnipsel. Wenn du soeinen findest, bewahre ihn gut, z.B. im Herzen, denn an guten Tagen, wie auch an schlechten, wirst du weitere Glücksschnipsel finden und wenn du irgendwann mal so richtig traurig bist, dann hole deine Glücksschnipsel hervor und gestalte daraus deinen eigenen Glücksteppich, mit ihm kannst du dann durch die Traurigkeit oder einfach durch dein Leben fliegen und soviel Schönes sehen.

Also, beginne deine Glücksschnipselsammlung sofort – kostet nichtmal Geld.

Vor einiger Zeit habe ich den Roman „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky gelesen. Ein wunderbares Buch, in einer Sprache, die mir immer wieder ein wohliges Lächeln oder auch Lachen ins Gesicht zauberte.
Wir haben beim Valentinstagsgottesdienst einen Teil davon im Altarraum gespielt.
Ich war der Optiker, Silke unsere Pfarrerin hat die Selma gegeben und ein paar Freundinnen haben weitere Rollen eingenommen. Es war grandios (für unsere eigene Gefühlswelt jedenfalls 😉
Weil mich so viele Passagen des Romans an unser1 eigenes Leben erinnerten, habe ich es schon hier auf dem Tisch neben dem Laptop liegen, um es nochmals zu lesen. Mit inzwischen neuen Erfahrungen und vielleicht neu zu entdeckenden ver-wunderlichen Textpassagen.

— Achtung Spoiler – wer das Buch noch lesen möchte, erst nach dem zitierten Text weiterlesen.

— Ich habe gerade eine Passage gesucht, die ich hier wiedergeben will – och näh – bei der dritten Passage musste ich schmunzeln, lachen, klatschen – so …
es erinnert mich soviel an unser1 erleben. Aber diese Szene werde ich nicht aufschreiben – es ist (die einzige) Sex-Szene in dem Buch, aber sowas von – hach.

Also, hier die „jugendfreie Szene“, die ich ausgesucht habe:
(Hinweis zum Verständnis: der Optiker ist dafür bekannt, dass er ein Meister im Ähnlichkeitsspiel ist. Es wird ein Wortpaar genannt, bei dem die Wörter irgendwie nicht zusammmengehören und der Optiker findet immer eine Verbindung zwischen beiden Begriffen. Zweiter Hinweis: Alaska ist ein junger Irischer Wolfshund.

„Pfandflachen und Tannenbäume“, sagte Martin, und der Optiker sagte: „Das ist leicht. Beides ist zumeist dunkelgrün, beides pfeift, wenn der Mensch oder der Wind hineinpustet.“
Selma nahm einen Stapel Werbemagazine von einem Stuhl, um die Sitzkissen aufzuschütteln. Auf einem der Titelbilder ist die Schauspielerin zu sehen, die bei Selmas Serie Maggie spielte. Maggie, bei deren schwer verunfalltem Ehemann letzte Woche die Maschinen abgestellt worden waren.
„Tod und Liebe“, sagte ich.
„Das ist ebenfalls leicht.“, sagte der Optiker. „Beides kann man nicht proben, beiden entkommt man nicht, beides ereilt einen.“
„Jetzt aber mal raus mit euch.“, sagte Selma, „Und nehmt Alaska mit.“
Es dauert immer ein wenig, bis etwas Großes sich vollständig erhoben hat, selbst wenn es noch jung ist.

aus „Was man von hier aus sehen kann“, Mariana Leky, DuMont Buchverlag

Auch dieses Buch, oder nur Szenen daraus, sind solche Glücksschnipsel.
Aber meine Glücksschnipsel sind auch
* Blüten, die am Wegesrand stehen und einen anlächeln
* Steine, die aussehen wie Herzen
* ein Zusammensitzen mit Freunden
* die in der Sonne glitzernden feinen Spinnfäden
* Gemeinschaft !WOW! beim Sterbebegleiterseminar
* den Gefühlen am Klavier freien Lauf lassen
* jemanden nachhause fahren dürfen, der schlecht zu Fuß ist
* die dicke Hummel an der kleinen Violablüte
* jemanden die Hand halten, der im Sterben liegt
* Musik hören, die mich berührt
* der erste Schmetterling im Frühling
* ein kühlender Bach bei einer Wanderung im Sommer
* ein Schmetterling
* ein Danke, für etwas, das ich für selbstverständlich hielt

So, jetzt macht ihr aber eure Liste erlebter Glücksschnipsel.

Nachdenkenswertes

Täglich lese oder höre ich Dinge, die ich nicht verstehen kann –
ist das alles so richtig?
was kann ich ändern?
wie mache ich weiter?
wem vertraue ich noch?
wie kann ich helfen?
wem soll ich helfen?
wer hilft mir?

ist das alles Taktik?
ist das Fügung?
wer fügt?

Hier werden demnächst Schnipsel erscheinen, die Antworten geben, Antworten möglich machen, keine Antworten geben wollen, …

nochmsl aus „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky:

Der Optiker beugte sich zu mir vor. Er war froh, etwas erklären zu können, in einer Zeit, die sich verlässliche Erklärungen sparte, nicht, weil sie keine geben wollte, sondern weil sie keine hatte.

Ich liebe es.

Jetzt doch noch was von mir:


Diesen Text habe ich auch mit einer Klangwelt umhüllt:
>> Der Zorn, die Sanftmut, die Rettung und das Licht <<


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